Die Ineffizienz des Suchens und Findens
Wir haben unglaublich gute Technologie mit KI und sind gleichzeitig wahnsinnig ineffizient, wenn es ums Suchen und Finden geht.
Nehmen wir Jobs und Kandidaten.
Ein Kandidat versendet sehr viele Bewerbungen und erhält wenige Interviews. Eine Firma sichtet sehr viele Kandidaten und lädt nur wenige ein.
Dann nehmen wir Produkte und Kunden.
Wir recherchieren aufwendig nach Produkten, bis wir das Richtige gefunden haben, besonders wenn wir etwas sehr Spezielles suchen. Das ist zeitintensiv. Gleichzeitig wenden Verkäufer viel Aufwand auf, um eine große Menge von Menschen zu erreichen, von denen nur ein kleiner Teil kauft.
Oder nehmen wir Anbieter und Firmen.
Sehr viele Firmen werden mit Cold E-Mails, Cold Calls und anderen Maßnahmen kontaktiert. Jeder rechnet von vornherein mit einer einstelligen Conversion Rate. Die Firmen, die all diese Verkaufsnachrichten erhalten, lesen sie schon gar nicht mehr und nehmen am Ende nur noch den Anbieter, den sie bereits kennen.
Es gibt bestimmt noch mehr Beispiele. Aber allein an diesen drei Beispielen sieht man: Das Suchen und Finden ist in beide Richtungen sehr ineffizient.
Meine Annahmen
Menschen werden in Zukunft KI oder einen KI-Agenten verwenden, um etwas zu suchen und zu finden.
Das heißt, der Mensch ist nicht mehr unbedingt derjenige, der alles selbst tut. Die KI übernimmt einen Teil davon.
KI versteht Texte und semistrukturierte Daten sehr gut.
KI kann sehr schnell semistrukturierte Daten erstellen.
Und KI kann an vielen Stellen sehr schnell recherchieren, weil sie sehr viel lesen kann.
Die Betonung liegt auf vielen Stellen.
Ein Mensch sucht immer an einer, zwei oder vielleicht einmal drei Stellen, weil er kognitiv nicht mehr verarbeiten kann.
Wenn KI der hauptsächliche Akteur beim Suchen und Finden ist, gibt es nicht mehr unbedingt die Notwendigkeit, einen zentralen Ort zu schaffen.
Plattformen sind heute das Operating System im Job und im Privatleben. Diese Plattformen sind für Menschen notwendig. Aber sind sie auch für KI notwendig? Sie können sogar hinderlich sein, wenn die darin enthaltenen Informationen nicht durchsuchbar sind.
Eine KI braucht keinen zentralen Platz. Sie kann an vielen Stellen suchen. Sie braucht die Informationen direkt und in strukturierter Form. Sie braucht keinen Algorithmus, der die Ergebnisse für sie vorsortiert.
Was wäre, wenn wir die Welt kodifizieren?
Nehmen wir Schema.org als Beispiel. Mir ist dabei egal, welche Semantik es am Ende wird. Hauptsache, sie ist leichtgewichtig und so gestaltet, dass jede KI sie einordnen kann.
Wenn ich alles, was es auf der Welt gibt – Produkte, Services, Menschen, Interessen –, mithilfe von KI semistrukturiert kodifiziere, geht das, wie wir alle wissen, extrem schnell und einfach.
Und wenn ich diese Informationen nicht mehr an einem zentralen Ort speichern muss, weil KI keinen zentralen Ort braucht, könnten die Daten an vielen verschiedenen Stellen liegen.
Wir bräuchten dann vielleicht nicht mehr den einen Google-Index oder den einen Bing-Index. Meta baut bestimmt auch gerade seinen Index, ebenso ChatGPT, und in China gibt es auch mehrere Indexe.
Es könnten aber noch viel mehr verschiedene Indizes entstehen.
Vielleicht brauchen wir dann auch nicht mehr nur eine Shopping-Plattform oder drei Shopping-Plattformen, sondern viele verschiedene. Und vielleicht brauchen wir nicht mehr eine oder eine Handvoll Jobbörsen, sondern viele verschiedene.
Die KI ist durchaus in der Lage, sehr viel zu lesen.
Wenn ich technisch nicht mehr auf eine zentrale Stelle angewiesen bin, habe ich gedanklich die Freiheit, zu überlegen: Mache ich das vielleicht pro Nische, regional oder lokal?
Und dann verändert sich das ganze Spiel um Werbung massiv.
Warum brauchen wir überhaupt noch die großen Plattformen?
Wir wissen alle: Jeder kann heute schon einen lokalen KI-Agenten auf seinem eigenen Gerät installieren und sich eine günstige Cloud-Subscription mit einem Open-Source-Modell holen oder bei passender Hardware das LLM gleich lokal herunterladen. Ich hab das. Lokales LLM und lokaler KI-Agent (Agent Hermes). Damit kann man suchen, ohne ChatGPT, Anthropic, Meta und andere Anbieter zu nutzen. Man kann sogar ohne Google suchen. Es gibt schließlich viele Metasuchmaschinen. Ich hab das mal ausprobiert. Es geht. Aber die Suchergebnisse sind mau. Denn bis jetzt ist das Internet für Menschen gebaut. Mein KI-Agent fand nicht das, was ich gesucht habe.
Es fehlen gute Indizes.
Der beste ist immer noch der Google-Index.
Wenn der Aufbau solcher Systeme jetzt aber so billig wird, warum baue ich dann nicht andere Indizes? Warum kodifiziere ich nicht die Welt, nutze auf der Suchseite Open-Source-KI und unterwandere damit das gesamte Monetarisierungsmodell der großen KI- und Tech-Firmen?
Technisch möglich.
Wo sind die Haken?
Erstens: Discovery
Ich brauche irgendeine Form von Discovery, damit ein KI-Agent überhaupt weiß: Wo sind diese Indizes?
Angenommen, es gibt Nischenindizes oder lokale Indizes. Dann muss der KI-Agent irgendwo einsteigen können, um sich von dort aus weiter durchzuhangeln.
Wenn Google nicht mehr der Einstiegspunkt ist, was ist es dann?
Ich denke dabei an die physische Welt, wie sie früher war: an Marktplätze in Orten, an Bibliotheken, an schwarze Bretter.
Ich denke an Wikipedia. Das beste Beispiel für Hyperlinks. (Hyperlinks, so fing das Internet mal an. Vernetzt sein. Aber dann kamen Plattformen und abgerundete Buttons und Icons, die aussehen wie Kinderspielzeug.)
Und ich denke an all die Online-Marktplätze, die mal entstanden sind, aber nie richtig funktioniert haben. Warum sollten wir sie nicht noch einmal neu denken? Vielleicht funktionieren sie jetzt.
Was war damals das Problem?
Damals war das Problem: Dort war nichts los. Das Ganze zu pflegen war aufwendig.
Der Aufwand ist jetzt gesunken.
Es ist aber immer noch nichts dort los. Aber muss dort überhaupt etwas los sein, wenn KI-Agenten suchen?
Eigentlich nicht.
(Der Mensch braucht oft das Gefühl: Hey, ich scrolle mal ein bisschen auf LinkedIn herum, weil dort irgendwie was los ist.
Wenn jetzt aber deine KI für dich nach Jobs sucht, ist es doch scheißegal, ob dort etwas los ist.)
Vielleicht könnte dezentrales Discovery also funktionieren.
Zweitens: Trust
Wir brauchen einen Trust Layer.
Egal, was man baut: Es darf nicht zugespammt werden. Es braucht irgendwelche Gates, und ich muss wissen: Die Jobs dort sind echt, die Bewerber dort sind echt, die Produkte dort sind echt, die Verkäufer dort sind echt und die Menschen dort sind echt.
Ich muss irgendwie die Echtheit beweisen.
Und auch das ist kein Ding der Unmöglichkeit.
Vielleicht kann auch Trust dezentral organisiert werden. Menschen sind eigentlich ziemlich gut im Sich-Vernetzen.
Drittens: Die technische Infrastruktur
Die technische Infrastruktur dahinter muss man mitdenken. Ich muss die Daten ständig neu abrufen, überprüfen und aktualisieren, damit Suchintention und Ergebnis zusammenpassen. Wer selbst eine Website hat, weiß das. Täglich kommen zig Bots vorbei. Diese führen unterschiedliche Aktionen durch. Es geht darum zu überprüfen, was es gibt, was drin steht, wozu es passt, was sich geändert hat, was man tun kann etc. pp. Man bekommt einen kleinen Einblick darin, was alles an Arbeit dahintersteckt, einen Index zu bauen.
Neue Welt – aber brauchen wir noch Plattformen?
Wer nun einen Nischenindex baut, muss irgendwie auch mit Bots die Informationen abgreifen und aktuell halten.
Aber muss es zwangsläufig eine Plattform werden? Das frage ich mich!
Denke an die Spieltheorie. Eine Plattform funktioniert ja, weil die Kräfte sich gegenseitig beeinflussen. Also je mehr Teilnehmer, desto mehr Konsumenten werden angezogen, desto mehr machen die Teilnehmer auf der Plattform, desto mehr Konsumenten zieht es an etc. Das ist ja ein Gleichgewicht.
Benötige ich das noch, wenn KI-Agenten etwas suchen? Sie sind ja keine Teilnehmer der Plattform. Sie wollen nur die Informationen und Daten abgreifen. Die Informationen werden von vielen KI-Agenten konsumiert, und wenn sie von vielen verschiedenen Stellen konsumiert werden, funktioniert die Spieltheorie einer Plattform nicht mehr, weil es ja mehrere Stellen sein können. Es würde nur dann funktionieren, wenn nur eine Stelle wirklich gute Informationen hat und alle anderen Stellen nur schlechte Informationen hätten.
Wenn die kodifizierte Welt aber nicht an einer zentralen Stelle ist, sondern an vielen Stellen, und die Indexe viele kleinere zentrale Orte sind, was bedeutet es dann für die Spieltheorie einer Plattform?
Ende des Algorithmus
Wo ich mir sicher bin: Wir brauchen keinen Algorithmus mehr. Wenn die Produkte, Services, Menschen, Intentionen richtig gut in Daten und kodifiziert vorliegen und man mit anderen Mitteln daran arbeitet, Suchintentionen und Produkte, Services, Menschen, Jobs etc. zu matchen – mit einer Semantik? –, wird die Ergebnismenge kleiner werden. Ich benötige keinen Algorithmus mehr, der die Suchergebnisse für mich filtert und bestimmt. Ich als Mensch konsumiere das nicht mehr. Mein KI-Agent konsumiert. Er kann selbst filtern.
Meine These
Wir können das ganze Thema Suchen und Finden noch einmal komplett neu denken, weil sich die Parameter auf allen Seiten verändert haben.
Wir können Suchen und Finden neu definieren, unabhängig von großen Plattformen, großen Tech- oder KI-Firmen.
Das wird sicherlich aufwendig werden. Aber auch hochinteressant!
Meine Fragen
Was für mich noch ungeklärt ist: Würde ein Business-Modell – durch Werbung? – das Ganze am Ende wieder in eine Plattform überführen, sodass nichts gewonnen wäre? Oder gibt es ein neues Business-Modell, das Qualität und Offenheit ermöglicht? Oder wird es am Ende ein Open-Source-Projekt?
Was sind eure Gedanken dazu?
