Cockpit
    22. September 2026 · 6 min

    Wie macht es wieder Spaß?

    OrganisationsdesignZusammenarbeitTechnologieVerantwortung
    von Bianca J. Schulz

    Wie könnten wir Organisationen so aufbauen, dass Menschen es lieben, mit uns zu arbeiten, gerne unsere Produkte und Services kaufen, gerne mit uns zusammenarbeiten, gerne über uns sprechen und sich über unseren Erfolg freuen?

    Eigentlich ist es intellektuell anspruchsvoll und interessant, sich darüber Gedanken zu machen, wie man die Arbeitsweise und die Organisation gestaltet. Und doch hat es im Bereich Tech durch die letzten Jahrzehnte ein kleines „Gschmäckle“ gekriegt und der eine oder andere inklusive mir ist schon leicht genervt. Warum ist das so? Und wie würde es wieder Spaß machen?

    Hier die Kriterien, die für mich persönlich erfüllt sein müssen, damit das Ganze Spaß macht.

    1. Es dürfen keine banalen Lebensweisheiten oder Kalendersprüche zum Programm werden. Das ist wirklich unerträglich. Keiner kann das mehr hören und es vereinfacht die Realität an den falschen Stellen. Es ist unreif, kindlich, weit weg von technologischer Komplexität, weit weg von der Realität des Marktes, weit weg davon, wie Menschen in Systemen ticken, und es hilft auch niemandem weiter.

    2. Für mich persönlich ist es ein absolutes Musskriterium, dass nur Leute mitreden, die Technologie verstehen. Ich finde sowieso, Technologie gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen und sich damit zu brüsten, dass man kein Techie ist, finde ich mittlerweile sogar peinlich, weil man damit sagt, dass man seit Jahrzehnten nicht versteht, wie die Welt funktioniert. Unser Privatleben und unser Berufsleben werden durch Plattformen geprägt. Wenn man versteht, wie Technologie funktioniert und wie sie gebaut wird, kann man Arbeitsweisen und Organisationsformen entwickeln, die von Engineers wirklich geschätzt werden.

    3. Das Gleiche gilt in die andere Richtung. Es macht viel mehr Spaß, wenn Engineers das Business, die Marktrealität und die Kunden verstehen, denn dann kommen sie viel besser mit den Businesskollegen zurecht. Außerdem fühlen sie dann viel mehr Sinn in ihrer Aufgabe!

    4. Jede Branche, jede Unternehmensgröße, jede Marktrealität, jeder Workflow, jeder Prozess muss individuell betrachtet werden. Es kann keine Blaupause für alles geben, das vereinfacht an den falschen Stellen. Das ignoriert die Komplexität, wo sie vorhanden ist, und führt zu Komplexität, wo sie gar nicht nötig ist. Daher ist es wichtig, genau hinzuschauen. Worum geht es hier eigentlich? Welche Arbeitsweise passt genau hier dazu? Dann gilt es zu entscheiden: Wie orchestrieren wir das im Gesamtunternehmen, sodass man sich gegenseitig noch versteht?

    5. Es macht erst richtig Spaß, wenn man sein Handwerk versteht, denn ansonsten stümpert man nur herum. Man muss ein Repertoire an Methoden kennen und schon angewendet haben. Es ist für mich persönlich völlig inakzeptabel, nur mit ein, zwei halbgaren Dingen um die Ecke zu kommen. Wie Menschen zusammenarbeiten, ist auch eine Art Technologie. Um professionell vorgehen zu können, muss man in seiner Karriere viele verschiedene Methoden kennengelernt, angewendet, ausprobiert und darüber reflektiert haben, was mich zur nächsten Voraussetzung für Spaß führt.

    6. Jemand, der in seiner Karriere noch nie so etwas angewendet hat, kann meiner Meinung nach nicht mitreden, wie man die Arbeitsweise und die Organisation gestaltet. Das bedeutet: Führungskräfte, die nach ihrem Studium direkt in höhere Führungspositionen eingestiegen sind und noch nie in einem Team mitgearbeitet haben, sollen sich entweder aus den Details heraushalten oder diese Erfahrung irgendwie nachholen. Die Gräben, die teilweise zwischen Engineers und höheren Managementebenen bestehen, sind die absoluten Spaß-Killer.

    7. Das Gleiche gilt in die andere Richtung. Alle Engineers, die keine Führungs- oder Leitungsfunktion anstreben oder angestrebt haben, müssen aus meiner Sicht bereit sein, mehr Verantwortung zu übernehmen. Wenn nur die Führungskraft für alles Verantwortung hat und man sich als Engineer in seiner Ecke gemütlich einrichtet, ohne das große Ganze mitzudenken oder mitzuverantworten, kommen wir auch nicht weiter und die Gräben bleiben.

    Stellen Sie sich eine Gruppe von Menschen vor,

    • die Technologie verstehen und verstehen, wie diese gebaut wird,
    • die das eigene Business, den eigenen Markt und die eigenen Kunden verstehen,
    • die wissen, was echte Teamarbeit ist,
    • die bereit sind, mehr Verantwortung als sonst zu übernehmen,
    • die ein großes Repertoire an Methoden zur Verfügung haben, aus denen sie auswählen,
    • die für alles die passende Arbeitsweise und Organisationsform wählen
    • und dabei keine banalen Kalendersprüche verwenden.

    Haben Sie Lust, da mitzumachen?

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