30. April 2026 · 9 min

    Stecken Sie bei KI fest? Denken Sie an Schokolade

    InnovationMethodenDesign ThinkingLeanTeams
    von Bianca J. Schulz

    Sie stehen vor einem Problem. Ihr Team soll es lösen und Sie wissen nicht, wie – jede Option fühlt sich wie eine Sackgasse an.

    Entspannen Sie sich jetzt und denken Sie an Schokolade. Ich nehme Sie mit auf eine Innovationsreise. Am Ende dieses Artikels werden Sie eine Auswahl an Methoden haben, die Sie auf Ihr eigentliches Problem anwenden können. Und wenn Sie dann immer noch nicht genau wissen, wie Sie es angehen sollen, schreiben Sie mir, ich freue mich, von Ihnen zu hören.

    Aber für den Moment: Schokolade. Auf Englisch: chocolate. Handgefertigt.

    Eine handgefertigte Tafel Schokolade, eingewickelt in kunstvolles grünes und goldenes Papier, die auf einem grünen Teller liegt.

    Stellen Sie sich eine kleine Schokoladenmanufaktur vor. Bean-to-Bar, alles handgemacht. Der Chocolatier kennt jede Bohne, jede Röstung, jedes Profil. Alle sind mit Leidenschaft dabei, aber die Zeiten werden härter. Kakaobohnen werden teurer, die Kunden kaufen weniger. Sie wollen Einsatzmöglichkeiten von KI erkunden, wissen aber nicht wirklich wie. Es gibt Ideen und es gibt Konflikte.

    Der Chocolatier bittet mich um Hilfe1.

    Zuerst stellen wir ein Team zusammen: Community Manager, Chocolatier, Data Engineer, AI Engineer, Vibe Coder, Confiseur, Ladenbesitzer. Sieben Personen – einige verstehen die Kunden, einige die Daten, einer stellt die Proben her, einer sieht die Reaktionen am Regal. Niemand im Team kann das Problem allein lösen, aber zusammen decken sie alles ab, von der Kakaobohne bis zur Kundenbewertung.

    Wenn Sie ein Team zusammenstellen, um komplexe Probleme innovativ zu lösen – machen Sie es zu einer bunten Mischung. Verschiedene Bereiche, verschiedene Fähigkeiten, verschiedene Altersgruppen, verschiedene Geschlechter, verschiedene Meinungen, verschiedene Erfahrungsstufen. Je unterschiedlicher, desto besser. Idealerweise auch unterschiedliche Hierarchieebenen.

    Und los geht’s.

    Das Team kommt zusammen und die Aufgabe wird vorgestellt. Es gibt Spannungen. Menschen geraten aneinander.

    Wir brauchen Methoden2, die uns dabei helfen. Wir fangen an. Das Ganze passiert nicht an einem einzigen Tag.

    Das Team diskutiert leidenschaftlich. Die Emotionen kochen hoch. Es gibt Spannungen und Widerstand. Vor allem: Widersprüche!

    Wir schreiben sie bewusst auf. Die Realität ist immer unordentlich. Es geht darum, das zu akzeptieren und nicht wegzudiskutieren. Das Ziel ist es, die Widersprüche ernst zu nehmen und dem Team die Chance zu geben, tiefer zu gehen, das Wertvolle im Paradoxen zu finden – aber das wird heute nicht passieren. Gut Ding will Weile haben.

    Methode: Wicked Questions

    Eine Wicked Question macht ein Paradox sichtbar – zwei Dinge, die gleichzeitig wahr sind und sich scheinbar widersprechen. Es geht nicht um Antworten, sondern darum, die Spannungen zu sehen, in denen sich das Problem bewegt.

    Drei Wicked Questions aus der Schokoladenmanufaktur, die Handwerkskunst, Erntevariabilität und Transparenz der KI gegenüberstellen.

    Die Stimmung im Team wird besser. Die Leute fühlen sich ein wenig mehr verstanden und ein wenig erschöpft. Aber noch lange nicht an dem Punkt, an dem die eigentliche Arbeit beginnen kann. Alle haben noch zu viel im Kopf und zu viel auf dem Schreibtisch. Aber sie wollen vorankommen, also woher kommt die Energie?

    Methode: Ecocycle Planning

    Das Team platziert alle bestehenden Aktivitäten auf einer liegenden Acht – dem Ecocycle. Das macht sichtbar, wo Energie gebunden ist und wo sie freigesetzt werden könnte.

    Der Ecocycle: eine Endlosschleife durch Germination Time, Maturity, Creative Destruction und Emergence, mit Scarcity- und Inertia-Fallen.

    Das Team ist erstaunt – die Dinge so vor sich zu sehen, hilft enorm. Es eröffnet Handlungsspielräume. Alle denken: Wir müssen nicht für immer alles gleich machen! Dinge haben einen Zyklus, genau wie in der Natur. Es kommt Bewegung in die Gruppe, die Dinge kommen ins Rollen.

    Bis die Diskussionen wieder losgehen. Ein Totschlagargument nach dem anderen. Aber die Diskussion zu unterdrücken, würde auch nicht helfen. Wir machen weiter.

    Wir müssen mehr verstehen. Alle Diskussionspunkte sitzen auf unterschiedlichen Ebenen.

    Methode: Panarchy

    Panarchy macht sichtbar, dass jedes Problem in ein mehrstufiges System eingebettet ist – von Mikro bis Makro. Die Ebenen beeinflussen sich gegenseitig, und genau dort liegen die blinden Flecken.

    Panarchy-Diagramm mit sechs verschachtelten Ebenen, vom KI-Empfehlungsmodell auf der Mikroebene bis zu den Verbrauchern und der Community auf der Makroebene.

    Ein großer Aha-Moment! Wieder etwas mehr Klarheit – aber Moment mal: Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt! Entmutigung ist das nächste Gefühl.

    Was wir jetzt brauchen, sind Strategien, die nicht nur auf eine mögliche Zukunft vorbereiten, sondern auf mehrere:

    Methode: Critical Uncertainties

    Das Team identifiziert die beiden Unsicherheiten, die alles verändern könnten, und baut daraus vier Szenarien. Das Ziel ist eine Strategie, die nicht auf eine einzige Zukunft setzt.

    Critical Uncertainties 2x2-Matrix mit vier Szenarien: Puristen gewinnen, Craft 2.0, Perfekter Sturm, KI als Überlebenswerkzeug.

    Es hilft! Alle sind froh, dass es realistisch wird. Die Stimmung schwankt nun zwischen Hoffnung und Angst vor dem Scheitern. Wie machen wir weiter?

    Wir definieren das Scheitern:

    Methode: TRIZ

    TRIZ räumt auf – über den Umweg des Scheiterns. Der Trick: Es ist psychologisch einfacher zu sagen, was garantiert schiefgeht, als direkt nach den eigenen Fehlern zu suchen.

    TRIZ in drei Schritten: Scheitern garantieren, was wir heute tatsächlich tun, was wir sofort aufhören.

    Ok, das Schlimmste ist überstanden! Alle wollen endlich loslegen, es ist genug Energie da.

    Wir beginnen mit:

    Design Thinking

    Der Design-Thinking-Prozess mit den sechs Phasen Empathize, Define, Ideate, Prototype, Test, Implement und iterativen Schleifen.

    Jetzt bauen und testen wir – nicht ins Leere hinein, sondern auf dem Fundament der fünf vorherigen Methoden. Design Thinking ist kein linearer Prozess, das Team springt zurück, verwirft, baut neu.

    Zuerst echte Schokoladenliebhaber verstehen – nicht, was wir annehmen, was sie wollen, sondern was ihnen wirklich wichtig ist. Dann das Problem scharf formulieren: Die Manufaktur kämpft ums Überleben, muss den Kunden gewinnen und gleichzeitig effizient sein. Lösungsideen generieren. Schnell etwas Greifbares bauen. Mit echten Nutzern testen und das Feedback in das Modell zurückführen. Das dauert Tage bis Wochen.

    War's das und alles wird gut? Die Antwort ist ein klares: Nein.

    Sie haben das Team zusammengestellt, Sie haben die Workshops gemacht, Sie sind im Design-Thinking-Prozess oder etwas Ähnlichem – und die Gefühle gehen auf und ab.

    In allen Teams, in denen ich war, habe ich ähnliche Muster gesehen.

    Stellen Sie sich einen Erfinder vor, der ein Gerät baut. Er tüftelt allein vor sich hin. Er nimmt etwas auseinander, baut etwas zusammen, nimmt es wieder auseinander, baut es anders zusammen. Es geht ständig hin und her. Zwischendurch ist er euphorisch, dann wieder verzweifelt. Es kommen Phasen der Verwirrung, und er dreht sich im Kreis. Er stellt die gesamte Mission in Frage, will alles hinschmeißen und kann es doch nicht lassen. Es kommen Tage, an denen er sich wie gelähmt fühlt. Es kommen Tage voller Hyperaktivität. Plötzlich weiß er es! Dann wieder entfallen ihm die einfachsten Dinge – zurück auf Feld eins! Bis unerwartet der Durchbruch kommt.

    Es ist kein linearer Prozess. Er ist hochemotional.

    Die gute Nachricht: Meine Erfahrung ist, je mehr Schleifen das Team dreht, je mehr Verwirrung zwischendurch herrscht, je mehr Entwürfe verworfen werden – desto besser wird das Ergebnis.

    Vielleicht denken Sie jetzt: Okay, was wir da machen, ist ja nicht wirklich Innovation. Und ich sage Ihnen: Selbst wenn Sie nichts Neues erfinden, in dem Moment, in dem Sie vor Aufgaben stehen, bei denen der Weg zur Lösung nicht klar bekannt ist, wo vielleicht nicht einmal das Ziel klar ist, berühren Sie die Sphäre der Innovation.

    Steigen Sie ein und haben Sie keine Angst. Auch wenn es schwer ist.

    Sobald das Ziel unklar ist und der Weg dorthin erst recht, setzen Ängste ein. Unsere Gesellschaft ist in den letzten Jahrzehnten auch immer ängstlicher geworden. Darüber schreibe ich einen eigenen Artikel.

    Können Sie diesen Prozess zulassen, oder verfallen Sie in Panik und fangen an zu managen?

    Unsere Arbeit bewegt sich oft im Immateriellen. Aber sie ähnelt sehr dem, was der Erfinder tut: auseinandernehmen und wieder zusammensetzen, verwirrt sein und wieder von vorne anfangen.

    Sind Sie bereit für diese Reise?

    Footnotes

    1. Das Beispiel des Chocolatiers ist frei erfunden.

    2. Die Methoden sind hier digitaleneuordnung.de und hier liberatingstructures.de dokumentiert.